Verpackte Trauben auf einem Förderband in einer modernen Lebensmittelverpackungsanlage.

IFS - International Featured Standards

IFS (International Featured Standards) ist ein international anerkannter Standard zur Bewertung von Lebensmittelsicherheit und ‑qualität. Er wird vor allem von Herstellern verwendet, um sicherzustellen, dass Produkte sicher, gesetzeskonform und von gleichbleibender Qualität sind. IFS legt Anforderungen an Managementsysteme, Prozesse, Hygiene und Produktsicherheit fest. Die Zertifizierung stärkt das Vertrauen von Handelspartnern und Endverbrauchern entlang der Lieferkette.

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Die IFS-Standards im Überblick

Bei IFS (International Featured Standards) gibt es mehrere spezialisierte Standards für unterschiedliche Bereiche der Lieferkette. 

Draufsicht auf einen gedeckten Esstisch mit Salat, Getreidegerichten, Obst, Brot und Getränken, während mehrere Personen gemeinsam essen.

IFS Food

Für Hersteller von Lebensmitteln und verarbeiteten Produkten (Lebensmittelsicherheit und ‑qualität). Der Standard zählt zu den führenden in der Branche, bietet Flexibilität und ist nicht zuletzt von der GFSI (Global Food Safety Initiative) anerkannt

Mehrere Fallschirmspringer in farbigen Anzügen schweben in einer Gruppe während eines Formationssprungs über einer Wüstenlandschaft unter blauem Himmel.

IFS Broker

Für Handelsunternehmen, die Produkte einkaufen und weiterverkaufen, ohne selbst herzustellen. Der Standard ist von der GFSI anerkannt.

Mann mit orangefarbenem Schutzhelm prüft Warenregale in einem Lager und hält ein Tablet in der Hand.

IFS Logistics

Für Transport‑, Lager‑ und Logistikdienstleister von Lebensmitteln und Non‑Food‑Produkten. Der Standard ist von der GFSI anerkannt.

IFS Wholesale / Cash & Carry

Für Großhandelsbetriebe und Cash‑and‑Carry‑Märkte.

IFS Progress

Einstiegsstandard für kleine oder noch nicht zertifizierungsreife Unternehmen.

IFS Local

Standard speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt, die hauptsächlich lokale oder regionale Märkte beliefern

Warum ist eine IFS-Zertifizierung sinnvoll?

Der Nutzen einer IFS-Zertifizierung für Unternehmen liegt vor allem in Qualitätssicherung, Marktchancen und Risikominimierung.

Nachweis von Lebensmittelsicherheit und Qualität

Die Zertifizierung zeigt, dass gesetzliche Anforderungen sowie hohe Standards für Produktsicherheit und Qualität eingehalten werden.

Vertrauen und Marktzugang

IFS ist international anerkannt und oft eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Handelspartnern, insbesondere im Einzelhandel.

Standardisierte und effizientere Prozesse

Klare Anforderungen verbessern interne Abläufe, reduzieren Fehler und erhöhen die Prozesssicherheit.

Risikominimierung und Rechtssicherheit

Risiken in Produktion und Lieferkette werden frühzeitig erkannt und reduziert, was Rückrufe und Beanstandungen minimiert.

Wettbewerbsvorteil

Die Zertifizierung stärkt die Marktposition und hebt das Unternehmen von nicht zertifizierten Wettbewerbern ab.

Wie läuft eine IFS Zertifizierung ab?

    Vorbereitung im Unternehmen

    Das Unternehmen implementiert ein Qualitäts‑ und Lebensmittelsicherheitsmanage-mentsystem gemäß dem relevanten IFS‑Standard (z. B. IFS Food), inklusive HACCP‑Konzept, Dokumentation, Schulungen und interner Audits.

    Auswahl der Zertifizierungsstelle

    Eine akkreditierte Zertifizierungsstelle wird ausgewählt und ein Audittermin vereinbart.

    IFS‑Audit (Vor‑Ort‑Audit)

    Ein qualifizierter Auditor prüft Prozesse, Dokumente, Produktion, Hygiene, Rückverfolgbarkeit und Managementsystem. Abweichungen werden dokumentiert.

    Maßnahmen und Korrekturen

    Bei festgestellten Abweichungen erstellt das Unternehmen einen Maßnahmenplan und setzt Korrekturmaßnahmen innerhalb der vorgegebenen Fristen um.

    Bewertung und Zertifikatsentscheidung

    Die Zertifizierungsstelle bewertet Audit und Maßnahmen. Bei erfolgreichem Abschluss wird das IFS‑Zertifikat für 12 Monate ausgestellt.

    Rezertifizierung

    Zur Aufrechterhaltung des Zertifikats ist jährlich ein Wiederholungsaudit erforderlich.

Wer darf eine IFS Zertifizierung durchführen?

Eine IFSZertifizierung darf nur durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle und einen zugelassenen IFSAuditor erfolgen. Nur so ist das Zertifikat international anerkannt und gültig. 

Zertifizierungsprozess mit Kiwa

Die Zertifizierung erfolgt durch akkreditierte Kiwa-Gesellschaften. In Deutschland wird die IFS-Zertifizierung durch lokale Auditor:innen der Kiwa International Cert GmbH durchgeführt.

Zeitraum für eine IFS Zertifizierung

Der Zeitraum für eine IFSZertifizierung hängt stark vom Reifegrad des Unternehmens ab, lässt sich aber grob wie folgt einordnen: 

  • Vorbereitung: 
    Je nach Ausgangssituation ca. 3 bis 12 Monate (Aufbau oder Anpassung des Managementsystems, HACCP, Schulungen, Dokumentation). 
  • Auditplanung und Durchführung: 
    2-3 Monate, inklusive Terminvereinbarung und VorOrtAudit. 
  • Korrekturmaßnahmen und Zertifikatsentscheidung: 
    In der Regel 4–6 Wochen, abhängig von Anzahl und Schwere der Abweichungen. 

Gesamtdauer:

  • Unternehmen mit bestehenden Systemen: ca. 3–6 Monate 
  • Unternehmen ohne Vorarbeit: bis zu 12 Monate 

Welche Anforderungen stellt die IFS-Zertifizierung?

IFS verlangt ein gelebtes, dokumentiertes Managementsystem, das Lebensmittelsicherheit, Qualität, Hygiene und gesetzliche Anforderungen zuverlässig sicherstellt.

IFS stellt klare Anforderungen an Lebensmittelsicherheit, Qualität und Managementsysteme. Die wichtigsten Anforderungen sind:

Unternehmensverantwortung & Management

Die Geschäftsleitung muss Verantwortung übernehmen, Ziele definieren und ausreichende Ressourcen bereitstellen. Ein wirksames Qualitäts und Lebensmittelsicherheitsmanagement ist erforderlich.

HACCP‑System

Ein vollständiges HACCPKonzept nach Codex Alimentarius ist Pflicht, inklusive Gefahrenanalyse, Risikobewertung und Überwachung kritischer Kontrollpunkte. 

Qualitäts‑ und Sicherheitsmanagement

Dokumentierte Prozesse für Produktsicherheit, Qualitätskontrollen, Rückverfolgbarkeit, Reklamationen, Rückrufmanagement und Korrekturmaßnahmen sind notwendig. 

Ressourcenmanagement

Mitarbeitende müssen qualifiziert, geschult und hygienisch unterwiesen sein. Gebäude, Anlagen, Betriebsmittel und Infrastruktur müssen geeignet und gewartet sein. 

Herstellungsprozesse

Alle Produktions, Lager und Transportprozesse müssen kontrolliert, dokumentiert und hygienisch sicher gestaltet sein. 

Messung, Analyse und Verbesserung

Regelmäßige interne Audits, Produktprüfungen sowie kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen sind vorgeschrieben. 

Häufige Abweichungen - und wie Sie sie vermeiden

Die meisten IFSAbweichungen entstehen nicht durch fehlende Anforderungen, sondern durch ungenügende Umsetzung, Pflege und Kontrolle. Strukturierte Prozesse, geschulte Mitarbeitende und regelmäßige Überprüfungen sind der Schlüssel zur erfolgreichen Zertifizierung.

Unvollständiges oder fehlerhaftes HACCP‑Konzept

Abweichung: 
Gefahren sind nicht vollständig bewertetCCPs und andere Kontrollpunkte sind nicht messbar und die Überwachung ist nicht nachvollziehbar dokumentiert.  

So vermeiden Sie es: 

  • HACCP regelmäßig aktualisieren (z. B. bei Prozess oder Produktänderungen) 

  • Interdisziplinäres HACCPTeam einsetzen 

  • Überwachungen und Korrekturmaßnahmen sauber dokumentieren 

Mangelhafte Dokumentation

Abweichung: 
Dokumente sind veraltet, unvollständig oder nicht gelenkt (Versionsstände fehlen). 

So vermeiden Sie es: 

  • Zentrales Dokumentenmanagement einführen 

  • Verantwortlichkeiten klar festlegen 

  • Regelmäßige Dokumentenreviews durchführen 

Unzureichende Rückverfolgbarkeit

Abweichung: 
Chargen können nicht vollständig oder nicht zeitnah zurückverfolgt werden. 

So vermeiden Sie es: 

  • Rückverfolgbarkeit regelmäßig testen 

  • Wareneingangs und Ausgangsdaten konsequent erfassen 

  • Lieferanteninformationen vollständig pflegen 

Hygienemängel in Produktion und Umfeld

Abweichung: 
Unzureichende Reinigung, schlechte Personalhygiene oder bauliche Mängel. 

So vermeiden Sie es: 

  • Reinigungs und Hygienepläne klar definieren und überwachen 

  • Mitarbeiterschulungen regelmäßig durchführen 

  • Begehungen mit Hygienechecklisten einplanen 

Fehlende oder unzureichende Schulungen

Abweichung: 
Mitarbeitende sind nicht ausreichend geschult oder Schulungen nicht nachgewiesen. 

So vermeiden Sie es: 

  • Schulungspläne für alle Funktionen erstellen 

  • Schulungen dokumentieren und Wirksamkeit prüfen 

  • Neue Mitarbeitende systematisch einweisen 

Schwächen im Reklamations‑ und Korrekturmaßnahmenmanagement

Abweichung: 
Reklamationen werden nicht systematisch ausgewertet oder Maßnahmen nicht wirksam umgesetzt. 

So vermeiden Sie es: 

  • Ursachenanalysen (Root Cause Analysis) durchführen 

  • Maßnahmen terminiert und verantwortlich festlegen 

  • Wirksamkeit regelmäßig überprüfen 

Fehlende interne Audits oder Management Reviews

Abweichung: 
Interne Audits werden nicht regelmäßig oder oberflächlich durchgeführt. 

So vermeiden Sie es: 

  • Auditpläne jährlich erstellen 

  • Audits realitätsnah und kritisch durchführen 

  • Managementbewertungen dokumentieren und nutzen

5 Schritte zur erfolgreichen IFS Umsetzung durch den Kunden

Erfolgreiche IFS‑Umsetzung bedeutet Führung, strukturierte Systeme, geschulte Mitarbeitende, gelebte Prozesse und kontinuierliche Verbesserung – nicht nur Auditvorbereitung.

    Klare Verantwortung & Management‑Commitment

    Die Geschäftsleitung übernimmt aktiv Verantwortung für Lebensmittelsicherheit und Qualität. Ziele, Rollen und Ressourcen (Zeit, Personal, Budget) werden eindeutig festgelegt und kommuniziert.

    Aufbau eines wirksamen Management‑ und HACCP‑Systems

    Ein vollständiges, aktuelles HACCP‑Konzept sowie ein dokumentiertes Qualitäts‑ und Lebensmittelsicherheitsmanagementsystem werden aufgebaut und an die betrieblichen Prozesse angepasst.

    Schulung und Einbindung der Mitarbeitenden

    Alle relevanten Mitarbeitenden werden regelmäßig geschult und in die IFS‑Anforderungen eingebunden. Verantwortlichkeiten sind klar definiert und im Alltag bekannt.

    Konsequente Umsetzung im Tagesgeschäft

    IFS‑Anforderungen werden nicht nur dokumentiert, sondern gelebt. Prozesse, Kontrollen, Rückverfolgbarkeit und Hygienemaßnahmen werden konsequent umgesetzt und dokumentiert.

    Überwachung, interne Audits & kontinuierliche Verbesserung

    Regelmäßige interne Audits, Rückverfolgbarkeitstests und Managementbewertungen stellen die Wirksamkeit sicher. Abweichungen werden analysiert und nachhaltig verbessert.

Tipps für eine praxisnahe Umsetzung

Eine praxisnahe IFS‑Umsetzung bedeutet: einfach, verständlich, verantwortlich und alltagstauglich – dann wird IFS gelebt und nicht nur für das Audit erfüllt.

Prozesse einfach und realistisch gestalten

Dokumente und Abläufe sollten das tatsächliche Tagesgeschäft widerspiegeln. Vermeide komplizierte oder theoretische Regelungen, die in der Praxis nicht eingehalten werden können.

Verantwortung klar zuweisen

Jede IFS‑Anforderung braucht einen klaren Verantwortlichen. Das verhindert Lücken und sorgt dafür, dass Maßnahmen umgesetzt und nachverfolgt werden.

Mitarbeitende aktiv einbinden

IFS funktioniert nur, wenn Mitarbeitende den Sinn verstehen. Kurze, praxisnahe Schulungen und regelmäßiger Austausch sind wirksamer als lange Theorieunterlagen.

Dokumentation sinnvoll nutzen

Dokumentation sollte unterstützen, nicht belasten. Nutze Checklisten, einfache Formulare und digitale Tools, um Nachweise effizient zu führen.

Regelmäßige Praxischecks durchführen

Kurze interne Begehungen, Rückverfolgbarkeitstests oder „Mini‑Audits“ helfen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen – ohne Auditstress.

Abweichungen als Verbesserung nutzen

Abweichungen sind kein Misserfolg, sondern eine Chance zur Optimierung. Wichtig ist eine saubere Ursachenanalyse und nachhaltige Maßnahmen.