Auswirkungen des Brexits auf Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsdienste

Januar 2019

Planmäßig wird ab dem 30. März 2019 die europäische Gesetzgebung für das Vereinigte Königreich entfallen und es somit nicht mehr dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion angehören. Sowohl Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich als auch Unternehmen mit Sitz in der EU werden wahrscheinlich mit geänderten Vorschriften für Aktivitäten im Bereich Testen, Inspizieren und Zertifizieren (PÜZ) konfrontiert sein. Die genauen Folgen sind noch nicht bekannt.

Auswirkungen auf britische Unternehmen

Wenn die EU-Verordnung für das Vereinigte Königreich nicht mehr gilt, wird es im Verhältnis zu den übrigen EU-Mitgliedstaaten zu einem Drittland. Hersteller und Exporteure mit Sitz in Großbritannien werden dann Produkte aus einem Drittland in den EU-Markt exportieren. Daher müssen sie wahrscheinlich die Anforderungen erfüllen, die für Exporteure im PÜZ-Bereich gelten.

Auswirkungen auf Unternehmen mit Sitz in der EU

Das Vereinigte Königreich ist ein wichtiger Handelspartner für viele europäische Länder. Der Brexit wird wahrscheinlich auch Auswirkungen auf Unternehmen haben, die Produkte und Dienstleistungen aus der EU nach Großbritannien exportieren, die nach EU-Vorschriften geprüft, inspiziert und zertifiziert sind. Nach den erwarteten Post-Brexit-Standards wird diese Verordnung dann wahrscheinlich nicht mehr für diese Produkte und Dienstleistungen gelten.

Auswirkungen auf in Großbritannien ansässige benannte Stellen

In der Europäischen Union ist eine benannte Stelle (NoBo - Notified Body) ein Drittunternehmen, das von einem Mitgliedstaat akkreditiert wurde, um zu beurteilen, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung, das bzw. die in Verkehr gebracht werden soll, bestimmte Normen erfüllt. Unternehmen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung nach den richtigen Vorschriften testen, prüfen oder zertifizieren lassen wollen, verwenden dafür einen NoBo. Kiwa ist einer dieser NoBos.

Mit dem Inkrafttreten von Brexit verlieren die benannten Stellen im Vereinigten Königreich ihren Status als European Notified Bodies. Produkte, die von einer britischen benannten Stelle getestet, inspiziert oder zertifiziert wurden, dürfen in der EU nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie von einer EU benannten Stelle erneut getestet/neu zertifiziert wurden.

Gültigkeit der Zertifikate

Ob ein Übergangsvertrag unterzeichnet und/oder Vereinbarungen für benannte Stellen und deren Kunden getroffen werden können, ist noch unklar. Im Falle eines "harten" Brexits oder des Fehlens eines Übergangs- oder vollständigen UK-EU-Vertrags ist es möglich, dass die Zertifikate der benannten Stellen des Vereinigten Königreichs und der EU nicht gegenseitig anerkannt oder für gültig erklärt werden. Wir werden unsere Kunden schnellstmöglich informieren, sobald weitere Informationen verfügbar sind.